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"Die Welt", Ausgabe Berlin, 06.06.1997, S. B 1
"ICH BIN DER ERSTE DIENER MEINES BILDES"
Nils Pookers Kopie von Menzels "Ballsouper" schmückt den Ballsaal im neuen Hotel "Adlon"
Von Rainer Pöschl
Der 32jährige Nils Pooker aus Kiel ist einer der wenigen in Deutschland arbeitenden Kopisten von Rang. Sein "Ballsouper" nach Adolph von Menzel wird eben im Ballsaal des Hotels "Adlon" aufgehängt. Die Kopie ist fast dreimal so groß wie das Original. Adolph von Menzel (1815-1905) malte das Bild über eine Ballsaalszene im Berlin der Gründerjahre 1878. Er brachte mit ihm eine ganze Epoche auf den Punkt. Der Glanz der Gesellschaft jener Jahre erscheint im ironischen Licht. Nils Pooker legt großen Wert darauf, ausschließlich diejenigen Pigmente zu benutzen, die auch der Künstler für das entsprechende Gemälde nahm. Wichtig sind auch die "Malmedien", die benutzt wurden: Pinselarten und größen, Spachtel und sogar die Handballen zum Verreiben der dünnflüssigen Farbe. Pooker kam über seine Erfahrungen als Restaurator auf die handwerklichen Techniken der alten Meister. Für ihn muß ein guter Kopist neben dem notwendigen Talent zu malen die Fähigkeit mitbringen, sich zurückzunehmen: "Ich bin der erste Diener meines Bildes." Die Bandbreite seiner Aufträge reicht von Gemälden des 16. bis zu solchen des 20. Jahrhunderts. Eine gute Kopie benötigt ihre Zeit. Die Preise richten sich allein nach dem Arbeitsaufwand, nicht nach der Berühmtheit oder dem Rang eines Künstlers oder Gemäldes. So kann die Kopie eines Bildes von Rembrandt bis zu 180 000 Mark kosten. Eine Kopie ist wesentlich eine Täuschung, denn sie vermittelt den Eindruck, vor einem Original zu stehen. Doch bleibt der Unterschied zwischen Fälschung und Kopie bestehen: Das Ziel des Fälschers ist der Betrug. Er sucht die Anonymität. Ein guter Kopist sieht hingegen keinen Grund, das Licht der Öffentlichkeit zu scheuen. Er steht zu seinem Werk.
Nils Pooker Artservice, www.pookerart.de, Tel. 04342/ 79 88 92, Fax. 04342/ 79 88 93 |