| "Welt am Sonntag", 19.09.1999, S. 103
CANALETTO AUF KREUZFAHRT Hamburg- Wer auf dem Sportdeck der neuen MS "Europa" die Übungsanlage für Golfer mit Abschlagplätzen und Putting-Green betritt, wähnt sich im Mekka aller Golfspieler: Glenneagles. Dafür hat der Kieler Nils Pooker gesorgt er zauberte eine Panoramaansicht der legendären schottischen Golf-Range auf eine 30 Quadratmeter große Leinwand: in 20 Tagen, 220 Arbeitsstunden. Seine einzige Vorlage war ein Dia des Hamburger Architekten Wilfried Köhnemann, der auf der "Europa" für die Kunst zuständig ist. Nils Pooker ist Kopist ein legaler Gemäldefälscher. In Fachkreisen ist er bekannt für seine perfekten Kopien. Seine Bilder zieren die Wände von Luxushotels und die Büros von Kunstsammlern. Den Ballsaal des Berliner Adlon schmückt Pookers "Ballsouper" von Adolph von Menzel, seine "Mona Lisa" ging für 50.000 Mark in die USA. Eine so gewaltige Fläche unter solch extremen Bedingungen wie auf dem neuen Flaggschiff der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd hat der gelernte Restaurator allerdings noch nie bemalt. "Es gab Momente, da habe ich nicht geglaubt, daß ich je fertig werde", gesteht Pooker. Der 34-jährige begann, als das Schiff Anfang August in Helsinki zur Probefahrt auslief. Es war Arbeiten im Ausnahmezustand. Malen, bis die Farben vor den Augen flimmerten. "Noch nie habe ich in einem so stark schwankenden Atelier gearbeitet. Manchmal fiel der Strom aus, manchmal ich fast von der Leiter bei Wende- und Ausweichmanövern." Auch die großen Wandbilder in den Spezialitätenrestaurants der "Europa" hat der zierliche Künstler geschaffen. Im "Venezia" hängt eine 3,20 Meter hohe und acht Meter breite Ansicht der Lagunenstadt. Vorlage war hier ein Bild des Barock-Künstlers Francesco Guardi im Stile des Vedutenmalers Canaletto. Im "Oriental" benutzte Pooker eine chinesische Tuschmalerei aus dem 17. Jahrhundert. Diese Gemälde entstanden bereits im Kieler Atelier in hunderten von Arbeitsstunden, wurden dann in tagelanger Arbeit auf der "Europa" montiert. Mehr als sechs Monate hat Pooker sich mit der Auswahl der Motive, den Künstlern und ihren Maltechniken beschäftigt, Museen besucht, Literatur gewälzt bis er den ersten Pinselstrich tat. Seit zehn Tagen hat er wieder festen Boden unter den Füßen. Würde er es nochmal tun? Ja. "Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, daß über die Weltmeere jetzt ein kleines Stück von mir schwimmt." Nils Pooker Artservice, www.pookerart.de, Tel. 04342/ 79 88 92, Fax. 04342/ 79 88 93 |
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