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"Welt am Sonntag", 25.01.1998, S. 73
EIN GANZ LEGALER MEISTERFÄLSCHER
Von Astrid Geissler
Kiel. Seine Motive sind weltberühmt. Seine Werke schmücken die Wände von Luxus-Hotels und die Büros von Kunstsammlern. Doch der Meister, der sie schuf, ist nur in Fachkreisen bekannt: der 32jährige Kieler Nils Pooker. Sein Beruf: Kopist- ein legaler Gemäldefälscher. Er handelt nach der Devise: Kunden bekommen, was sie wollen ob Claude Monet, William Turner oder Vincent van Gogh. Sein Anspruch: die perfekte Kopie. "Und die ist auf dem Kunstmarkt immer gefragter", so Pooker. Denn bei Kunstfreunden setzt sich ein Trend durch: Das Original wandert sicherheitshalber in den Tresor, an der Wand hängt eine Kopie." Windige Aufträge lehnt Pooker von vornherein ab: keine antiken Leinwände, keine maroden Rahmen, keine mit Teesatz und Ruß gealterten Farben. Er signiert alle Werke mit seinem Namen (ansonsten würde er sich der Urkundenfälschung schuldig machen). Um betrügerischen Manipulationen vorzubeugen, schreibt er, für das bloße Auge des Betrachters nicht sichtbar, das Wort "Kopie" in das Bild. Schon als Kind begeisterte sich Pooker für das Abmalen von Vorlagen. Nach dem Abitur 1985 begann er eine Ausbildung zum Restaurator. Nach vier Jahren bei namhaften deutschen Lehrherren war ihm klar, daß er nicht bis an sein Lebensende in einer dunklen Kammer winzige Löcher in Leinwänden stopfen würde. "Ich wollte mit meinem Talent Geld verdienen." Inzwischen benötigt er in Expertenkreisen kein Entree mehr. Den Ballsaal des Berliner Hotels "Adlon" schmückt Pookers "Ballsouper" von Adolph von Menzel (1815-1905). Seine "Mona Lisa" ging für 50 000 Mark in die USA. Pooker berechnet seine Werke nicht nach der Berühmtheit des Künstlers, sondern nach seinen Arbeitsstunden und den Materialkosten. Einen Monet kann man schon für 2000 Mark erwerben. Ein Bellotto kostet dagegen schon 70 000 Mark. Und für einen Rembrandt muß auch mal das Doppelte hingelegt werden. Denn eine solche Kopie erfordert hunderte von Arbeitsstunden. "Das wichtigste Arbeitsinstrument ist nicht der Pinsel, sondern das Auge", sagt Pooker, der fast jede freie Minute in Kunsthallen und Museen verbringt. Bevor der erste Pinselstrich gezeichnet ist, können Wochen vergehen. Zur perfekten Kopie gehört eine möglichst lange Betrachtungsweise des Originals oder einer erstklassigen Reproduktion. Zudem müssen Bilder aus der Schaffensperiode des Künstlers studiert, sämtliche verfügbare Literatur gesichtet, die Maltechniken- und Farben des Meisters verinnerlicht werden. "Ich muß mich in seine Zeit einleben. Sein Werk noch einmal neu schaffen. Meine Kreativität ist völlig unwichtig." Mit einem Bildprojektor wirft Pooker dann ein Foto des Originalgemäldes auf die Leinwand und zeichnet die Konturen des Originals. "Dieser Vorgang hat weder etwas mit Kunst noch mit Können zu tun. Das ist nur Handwerksarbeit." Erst danach zeige sich das malerische Talent. "Auch das Kopieren ist eine Kunst. Beherrscht wird sie weltweit aber nur von wenigen Malern", sagt Pooker selbstbewußt.
Nils Pooker Artservice, www.pookerart.de, Tel. 04342/ 79 88 92, Fax. 04342/ 79 88 93 |