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"Lübecker Nachrichten", 08/09.02.1998, S. 5
"GEMÄLDE LEGAL GEFÄLSCHT"
32jähriger Kieler kopiert professionell große Künstler
Von Thomas Morell/EPD
Kiel Nils Pooker hat sein Wohnzimmer mit Bildern von Caspar David Friedrich, Rembrandt und Franz Marc geschmückt. Ungewöhnlich ist, daß er sie alle selbst gemalt hat. Laien werden den Unterschied zum Original kaum erkennen. Der 32jährige Kieler ist einer der wenigen professionellen Gemälde-Fälscher, die legal arbeiten. Fast jedes alte Bild von Museumsrang kann bei ihm in Auftrag gegeben werden. Sich selbst sieht er bescheiden als "Dienstleistungsunternehmer". Sein Meisterstück hängt in Berlin: Für das Adlon-Hotel kopiert er "Das Ballsouper" von Adolph von Menzel.
Einer guten Kopie gehen umfangreiche Studien des Originals voraus. Nils Pooker erkundet Maltechniken, Farbaufbau, Materialien und sogar die Biografie des Künstlers, ehe er selbst zum Pinsel greift. "Genau genommen kopiere ich den gesamten Entstehungsprozeß des Bildes." Hat der alte Meister Teile des Bildes völlig neu übermalt, so tut der Kieler das gleiche. Gern vergleicht sich Nils Pooker mit einem Dirigenten, der eine alte Komposition neu belebt. Das Handwerkszeug für seinen Beruf erwab er sich durch langjährige Praxis als Gemälderestaurator in Bonn. Kopieren ist für Nils Pooker auch immer eine juristische Gratwanderung. Das Bild soll einerseits täuschend echt wirken, es muß andererseits aber klar als Kopie erkennbar sein. Pooker: "Ein kleines Kreuz auf der Rückseite der Leinwand genügt da nicht." So verzichtet er auch auf die Signatur der Maler. Andernfalls würde er sich der Urkundenfälschung schuldig machen. Von Bildern, deren Maler weniger als 70 Jahre tot sind, läßt er aus Gründen des Urheberrechts ohnehin die Finger. Billig ist ein "Pooker" nicht: 2900 Mark kostet der "Tiger" von Franz Marc, 32 000 Leonardo da Vincis "Mona Lisa" und immerhin 68 000 Mark das Monumentalwerk "Dresden" von Bernardo Bellotto. Über Kundschaft kann sich der Kieler nicht beklagen: Manch ein Sammler zeigt aus Sicherheitsgründen statt des Originals lieber die Kopie. Andere wiederum lieben die überraschten Blicke der Besucher, die sich vor einem kostbaren Original wähnen. Veränderungen im Format, aber auch eigene Nuancen bei der Kopie gehören zum Handwerk. In seltenen Fällen darf der Kunde auch weiterhende Wünsche einbringen: Eine ältere Frau wollte für ihre Kopie gern "passend zu den Gardinen" ein bißchen mehr Rosa und "viel Gold, weil es so lebendig ist". Nils Pooker: "Ich hab´s gemacht."
Nils Pooker Artservice, www.pookerart.de, Tel. 04342/ 79 88 92, Fax. 04342/ 79 88 93 |