| "Kieler Nachrichten", 17.12.1997, S. 13
"VINCENT VAN GOGH IST NILS POOKER VORBILD UND WARNUNG ZUGLEICH" Kiel In den 70er Jahren reichte den Deutschen ein platter Kunstdruck als Zimmerschmuck. In den 80er Jahren waren Original-Lithographien angesagt. In diesem Jahrzent muß es ein Rembrandt sein, ein Feininger oder ein van Gogh. Da die Originale knapp, in festen Händen und zumeist unbezahlbar sind, kommt die Kopie zum Zug: In Öl, gealtert, "gefälscht wie echt". Das sagt Nils Pooker. Der gebürtige Kieler, im Alter von 32 Jahren gerade in seine Heimatstadt zurückgekehrt, weiß wovon er spricht. Er liefert alle alten und neueren Meister auf Bestellung von eigener Hand, oft erst nach monatelanger Arbeit, aber in jedem Fall perfekt. Als van Gogh, mit abgeschnittenem Ohr und verwahrlostem Konto will und wird Pooker nicht enden. "Bei uns erhalten Sie nicht, was wir anbieten. Bei uns erhalten Sie, was Sie wollen", ist seine Devise. Künstler ist der Kopist zwar auch, aber in erster Linie Kaufmann. "Van Gogh", sagt er abwägend, "hat es genau andersherum gemacht." Das hat ihn womöglich ein schönes Leben gekostet. Der Holländer folgte in der Tat dem Übermut der französischen Impressionisten. Wie noch nie eine Künstlergeneration zuvor konfrontierten sie das Publikum mit Selbstüberschätzung. Lieb mich oder laß mich! Rubens und Rembrandt beispielsweise waren da noch von anderem Zuschnitt. Sie fügten sich in einen vorgegebenen Markt und befriedigten eine exakt umrissene Nachfrage. So brachten sie es zur Beschäftigung von Kolonnen von Lohnmalern, eigenen Malmanufakturen und dem Wohlstand solider Handwerksleute. Wie später Walt Disney seine Mickey-Mouse-Comics zeichnen ließ oder heute Rötger "Brösel" Feldmann seine Werner-Cartoons vorfertigen läßt. Eine solche Produktion wäre auch für ihn kein Problem, sagt Pooker, weder organisatorisch noch von seinem Selbstverständnis her. Entscheidend sei das Finish, das Letzte-Hand-Anlegen des Meisters. Ob er einen solchen Massenbetrieb will, läßt er demnach offen: "Es kommt auf die Auftragslage an." Momentan kommt Pooker solo blendend klar. Demnächst wird er Botticellis "Geburt der Venus" auf die Staffelei legen. Ein amerikanischer Unternehmer wünscht sie sich. Vor dem ersten Pinselstrich steht allerdings die intensive Inaugenscheinnahme des Originals in Florenz. Auf diese Weise brennt er sich das Motiv ins Gedächtnis. Der Rest, wie etwa die Maltechnik, ist entweder Begabung oder steht, wie die Zusammensetzung der Farben, in der Literatur. Pooker ist nicht billig. 1900 DM kostet Monets schlichte "Regatta in Argenteuil", 68 000 DM mußte ein Fan für seine Kopie von Bernardo Bellottos "Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustus-Brücke" aus dem Jahre 1748 auf den Tisch legen. Dafür bekommt jeder ein Meisterwerk. Allerdings als "Kopie", wenn auch auf Wunsch nicht auf den ersten Blick sichtbar, kenntlich gemacht. Denn nichts liegt Pooker ferner als dem anscheinend noch immer attraktiven Schmu in der Kunstszene Vorschub zu leisten. Der geniale Pinselstrich ist Pookers Talent. Geprägt haben ihn über drei Semester Betriebswirtschaftsstudium. "Die reichten dann auch", hat er inzwischen befunden, und bewegt sich anforderungsgerecht in einem ausgeprägten Nachfragemarkt. Was die Kundschaft honoriert. Seit er dreifach vergrößert dem Berliner "Adlon"-Hotel Adolph von Menzels "Ballsouper" und darüber hinaus die komplette Bebilderung der Präsidenten-Suite verkaufte, braucht er nirgendwo ein "Entree" mehr. Die Fundus-Fonds-Familie, die das Projekt realisiert hat, hat ihn ob des Ergebnisses fest in ihr Herz geschlossen. Daß er bei der Innenausstattung des Großprojektes "Ostseebad Heiligendamm" dabei sein wird, scheint deshalb ziemlich sicher. Und auch bei der norwegischen Klosters-Reederei ist er inzwischen gelistet. Sie wird, so seine Kalkulation, bei der Inneneinrichtung der millionenteuren Eigentumswohnungen auf der "World of ResidenSea", die demnächst bei HDW in Kiel entsteht, mit Sicherheit nur das beste ordern. Sollte er den Zuschlag erhalten, wäre er auch für große Stückzahlen gut. "Was ich aber nie aus den Augen verliere", sagt er, "ist Qualität unter allen Umständen." Die ließe sich letztlich auch im Team erreichen. Und er erinnert an die Vergangenheit: Im 16. Jahrhundert ernährte das belgische Antwerpen etwa 300 Maler. Eine gigantische Zahl vor dem Hintergrund von gleichzeitig aktiven 169 Bäckern und 78 Schlachtern. Die Konkurrenz von 20 Malern, die beispielsweise Tag für Tag im Pariser Louvre die "Mona Lisa" abpinnen, bedrückt ihn nicht: "Das werden hinterher 20 verschiedene Mona Lisen." Nils Pooker Artservice, www.pookerart.de, Tel. 04342/ 79 88 92, Fax. 04342/ 79 88 93 |
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